Schluss mit verlorenen Leads: Wie Ihre B2B-Retargeting-Kampagne die Customer Journey meistert
Sie kennen das Gefühl: Die Analytics-Zahlen Ihrer Website sehen gut aus, der Traffic stimmt, doch die Anfragen bleiben aus. Potenzielle B2B-Kunden besuchen Ihre Seite, informieren sich über Ihre Dienstleistungen – und verschwinden wieder in den Weiten des Internets. Jeder dieser verlorenen Besucher ist eine verpasste Chance. Doch was wäre, wenn Sie eine zweite, gezielte Möglichkeit hätten, genau diese wertvollen Interessenten erneut anzusprechen und im entscheidenden Moment wieder auf Ihrem Radar zu erscheinen?
Genau hier setzt eine durchdachte B2B Retargeting Strategie an. Es geht nicht darum, potenzielle Kunden mit plumpen Werbebannern zu verfolgen. Vielmehr ist es die Kunst, die komplexe und oft langwierige Customer Journey im B2B-Marketing strategisch zu begleiten. Dieser Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie als Agentur oder Freelancer effektive Retargeting-Kampagnen, insbesondere auf Plattformen wie LinkedIn, aufsetzen, um aus anonymen Website-Besuchern wertvolle Leads und schlussendlich loyale Kunden zu gewinnen.
- Was B2B-Retargeting ist: Die gezielte Wiederansprache von Website-Besuchern, die bereits Interesse an Ihrem Unternehmen gezeigt haben.
- Warum es im B2B entscheidend ist: B2B-Kaufentscheidungen sind komplex, langwierig und involvieren mehrere Stakeholder. Retargeting hält Ihr Angebot präsent.
- Die Rolle von LinkedIn: Als führendes B2B-Netzwerk bietet LinkedIn unschätzbare Möglichkeiten für präzise Retargeting Ads.
- Der strategische Kern: Durch intelligente Segmentierung der Zielgruppe werden Streuverluste minimiert und die Relevanz der Ansprache maximiert.
- Das Ziel: Potenzielle Kunden mit relevantem Content durch die Customer Journey führen und die Conversion-Rate signifikant steigern.
Was ist B2B-Retargeting? Mehr als eine zweite Chance
B2B-Retargeting ist eine Online-Marketing-Strategie, bei der Sie gezielt Werbeanzeigen (Ads) an Personen ausspielen, die Ihre Website oder spezifische Unterseiten bereits besucht, aber keine Conversion (wie eine Anfrage oder einen Download) durchgeführt haben. Im Gegensatz zum B2C-Bereich, wo es oft um den schnellen Kaufabschluss geht, dient Retargeting im B2B-Marketing dem strategischen Vertrauensaufbau über einen längeren Zeitraum.
Meiner Erfahrung nach ist der größte Fehler, B2B- und B2C-Retargeting über einen Kamm zu scheren. Ein B2B-Entscheider benötigt im Schnitt 7 bis 12 Touchpoints, bevor er überhaupt eine Kaufentscheidung in Erwägung zieht. Ihre Retargeting-Kampagne ist die Brücke, die diese Touchpoints sinnvoll miteinander verbindet, vom ersten Website-Besuch über den Download eines Whitepapers bis hin zur finalen Demo-Anfrage. Sie halten die Interaktion am Leben und positionieren sich als Experte.
Warum ist Retargeting im B2B-Marketing unverzichtbar?
Anders als im B2C-Geschäft fallen Kaufentscheidungen im B2B-Umfeld selten spontan. Der Prozess ist langwierig und involviert oft ein ganzes Buying Center: Der CFO prüft das Budget, der Abteilungsleiter den strategischen Fit und der Anwender die tägliche Nutzbarkeit. Jeder dieser Stakeholder hat unterschiedliche Informationsbedürfnisse und bewegt sich in seinem eigenen Tempo durch die Customer Journey.
Wenn Sie einen potenziellen Kunden nach dem ersten Website-Besuch verlieren, verlieren Sie mehr als nur einen Klick. Sie verlieren die gesamte Investition, die Sie getätigt haben, um diesen Traffic zu generieren. B2B-Retargeting ist Ihre strategische Versicherung, um im Gedächtnis zu bleiben, relevante Informationen nachzuliefern und Ihre Marke als vertrauenswürdigen Partner zu etablieren, während die interne Entscheidungsfindung bei Ihrem potenziellen Kunden läuft.
1. Die komplexe Customer Journey aktiv gestalten
Eine starke Retargeting-Strategie bombardiert Interessenten nicht einfach mit der gleichen Anzeige. Vielmehr agiert sie als intelligenter Wegweiser. Sie nutzen das Verhalten des Nutzers, um ihm den nächsten logischen Inhalt auszuspielen. Hat jemand einen Blogartikel über ein spezifisches Problem gelesen? Dann ist der nächste Schritt eine Retargeting Ad für ein passendes Whitepaper oder eine Case Study.
So verwandeln Sie passive Website-Besucher in aktive Teilnehmer Ihres Sales Funnel. Jeder Touchpoint fühlt sich wie ein hilfreicher, relevanter nächster Schritt an, nicht wie aufdringliche Werbung. Sie begleiten den potenziellen Kunden, anstatt ihn zu jagen.
2. Effizienz steigern und Werbebudget optimieren
Die Akquise von qualifiziertem B2B-Traffic ist teuer. Einen bereits interessierten Kontakt erneut anzusprechen, ist dagegen ungleich effizienter. In der Praxis hat sich immer wieder gezeigt, dass die Conversion-Rate bei Retargeting-Zielgruppen signifikant höher ist als bei kalten Zielgruppen. Ihr Werbebudget wird somit wesentlich gezielter eingesetzt und der Streuverlust minimiert.
Diese Effizienz wirkt sich direkt auf Ihre Kennzahlen aus und ist entscheidend, wenn Sie den Cost per Lead (CPL) berechnen und senken möchten. Die Wichtigkeit von multiplen, digitalen Kontaktpunkten wird auch von Fachverbänden wie dem BVDW in seinem Leitfaden zur B2B-Kommunikation hervorgehoben.

3. Vertrauen und Autorität aufbauen
Vertrauen ist die Währung im B2B-Marketing. Retargeting gibt Ihnen die Möglichkeit, Ihre Expertise und Glaubwürdigkeit über einen längeren Zeitraum zu beweisen. Anstatt platter Kaufappelle liefern Ihre Ads wertvollen Content, der die Probleme Ihrer Zielgruppe adressiert und löst.
Zeigen Sie Ads, die zu Webinaren einladen, teilen Sie Erfolgsgeschichten von Kunden oder bewerben Sie fundierte Blogartikel. Dieser Content-basierte Ansatz ist ein zentraler Baustein von modernem Paid Advertising für B2B. Mit jedem Kontaktpunkt untermauern Sie Ihren Expertenstatus und bauen eine Beziehung auf, lange bevor es zu einem Verkaufsgespräch kommt.

Die technische Grundlage: Ohne Tracking kein Retargeting
Bevor Sie auch nur eine einzige Anzeige schalten, muss das technische Fundament stehen. Die Basis für jede Retargeting-Kampagne ist ein kleines Stück Code, ein sogenannter Tracking-Pixel oder Tag, den Sie auf Ihrer Website implementieren. Die bekanntesten Vertreter sind der LinkedIn Insight Tag und der Google Ads Tag. Dieser Code sammelt anonymisierte Daten über Ihre Website-Besucher und deren Verhalten.
Ein Detail, das Anfänger oft übersehen, ist die Notwendigkeit einer absolut sauberen Implementierung. Fehlerhaftes Tracking führt zu unzuverlässigen Zielgruppendaten und macht jede spätere Optimierung zur reinen Glückssache. Nehmen Sie sich daher die Zeit, das Conversion-Tracking richtig einzurichten oder ziehen Sie einen Spezialisten hinzu. Essentiell ist dabei auch die Einhaltung der Datenschutzbestimmungen. Die Datenerfassung darf erst nach aktiver Zustimmung des Nutzers über einen Cookie-Consent-Banner erfolgen, wie es die DSGVO vorschreibt. Eine gute Orientierung bietet hier der Leitfaden des BSI zum Schutz vor Tracking.
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Die Kunst der Segmentierung: Die richtige Botschaft für den richtigen Kontakt
Sobald das Tracking läuft, beginnt die eigentliche strategische Arbeit: die Segmentierung Ihrer Zielgruppe. Der größte Fehler im B2B-Retargeting ist, alle Website-Besucher in einen Topf zu werfen und ihnen die gleiche plumpe „Kommen Sie zurück!“-Anzeige auszuspielen. Der Nutzer, der nur kurz Ihre Startseite überflogen hat, benötigt eine völlig andere Ansprache als derjenige, der sich intensiv mit Ihrer Preis-Seite beschäftigt hat.
Aus meiner Sicht ist die granulare Segmentierung der entscheidende Hebel für den ROI einer B2B-Retargeting-Kampagne. Differenzieren Sie Ihre Zielgruppenlisten basierend auf dem Nutzerverhalten. So stellen Sie sicher, dass Ihre Botschaft nicht als Störung, sondern als relevanter nächster Schritt wahrgenommen wird. Hier sind einige bewährte Segmente für den Start:
- Allgemeine Website-Besucher (letzte 30-90 Tage): Die breiteste Zielgruppe. Ziel ist hier, die Marke in Erinnerung zu rufen und mit Top-of-Funnel-Content wie einem informativen Blogartikel oder einer Branchenstudie erneut Interesse zu wecken.
- Besucher von spezifischen Leistungs- oder Produktseiten: Diese Nutzer haben bereits ein konkretes Interesse signalisiert. Sprechen Sie sie mit Ads an, die auf eine passende Case Study, ein Webinar zum Thema oder ein detailliertes Whitepaper verweisen.
- Besucher der „Über uns“- oder Karriereseite: Diese Gruppe eignet sich hervorragend für Employer-Branding-Kampagnen oder um die Unternehmenskultur zu beleuchten und so indirekt Vertrauen aufzubauen.
- Nutzer, die einen Lead-Magneten (z.B. Whitepaper) heruntergeladen haben: Eine hochinteressante Zielgruppe. Der nächste Schritt könnte eine Einladung zu einer persönlichen Demo oder einem unverbindlichen Beratungsgespräch sein.
- Besucher der Preis- oder Kontaktseite, die keine Conversion ausgelöst haben: Dies sind Ihre heißesten Leads. Hier ist eine direkte, aber nutzenorientierte Ansprache gefragt. Überzeugende Anzeigentexte für B2B, die auf Testimonials oder eine exklusive Demo verweisen, wirken hier oft Wunder.

Kanäle und Anzeigenformate: Die richtigen Werkzeuge wählen
Während LinkedIn als Königskanal für B2B-Retargeting gilt, sollten Sie auch andere Plattformen in Betracht ziehen. Das Google Display Netzwerk oder auch Meta Ads für B2B können Ihre Reichweite sinnvoll ergänzen. Entscheidend ist jedoch nicht nur der Kanal, sondern auch das Format Ihrer Ads. Variieren Sie Ihre Creatives, um „Ad Fatigue“ (Anzeigenmüdigkeit) zu vermeiden.
- Bild-Anzeigen: Ideal für eine schnelle Markenerinnerung und klare Call-to-Actions.
- Video-Anzeigen: Unschlagbar, um komplexe Produkte zu erklären oder durch Kunden-Testimonials Vertrauen aufzubauen. Besonders im B2B-Bereich ist dies ein mächtiges Werkzeug.
- Carousel-Anzeigen: Perfekt, um verschiedene Features, Vorteile oder Anwendungsfälle eines Produkts oder einer Dienstleistung vorzustellen.
- Text-Anzeigen (LinkedIn): Eine subtile Möglichkeit, in den Feeds der Entscheider präsent zu sein, oft mit hohem Engagement.
Ich empfehle an dieser Stelle meistens, mit einer Kombination aus Bild- und Video-Anzeigen zu starten und die Performance genau zu analysieren. Gerade kurze, authentische Videos, die ein Problem lösen oder einen Experten zu Wort kommen lassen, erzielen oft die besten Ergebnisse.
Best Practices für erfolgreiches B2B-Retargeting
Eine erfolgreiche Kampagne ist kein Einmal-Projekt, sondern ein kontinuierlicher Prozess der Optimierung. Beherzigen Sie die folgenden Best Practices, um das volle Potenzial Ihrer Retargeting-Strategie auszuschöpfen:
- Frequency Capping: Niemand mag es, verfolgt zu werden. Begrenzen Sie die Frequenz, mit der ein einzelner Nutzer Ihre Anzeige sieht (z.B. nicht mehr als 3-5 Mal pro Woche), um nicht aufdringlich zu wirken.
- Conversion-Listen ausschließen: Stellen Sie sicher, dass Nutzer, die bereits konvertiert haben (z.B. eine Anfrage gestellt haben), von den entsprechenden Kampagnen ausgeschlossen werden. Nichts ist unprofessioneller als einem Neukunden weiterhin Akquise-Anzeigen auszuspielen.
- Kontinuierliches A/B-Testing: Testen Sie alles: Anzeigentexte, Bilder, Videos, Zielgruppen und Landing Pages. Nur durch datengestützte Optimierung finden Sie heraus, was für Ihre Zielgruppe am besten funktioniert.
- Budget anpassen: Analysieren Sie, welche Segmente und Anzeigen die beste Performance liefern, und allokieren Sie Ihr Werbebudget entsprechend um.
Besonders das Zusammenspiel von Ad und Landing Page wird oft unterschätzt. Die Botschaft muss konsistent sein. Eine Anzeige, die eine Case Study verspricht, muss direkt zu einer Landing Page für B2B Leads führen, auf der diese prominent platziert ist, um die bestmögliche Wirkung zu erzielen.
Fazit: Vom Jäger zum Gärtner Ihrer B2B-Leads
B2B-Retargeting ist weit mehr als nur eine zweite Chance. Es ist die Transformation Ihrer Marketingstrategie vom lauten Jäger zum geduldigen Gärtner. Sie jagen Leads nicht mehr, sondern pflegen das Interesse, bauen Vertrauen auf und führen potenzielle Kunden mit relevanten Inhalten gezielt zur Conversion. Durch strategische Segmentierung, wertvollen Content und kontinuierliche Optimierung verwandeln Sie anonymen Traffic in Ihre wertvollste Vertriebsressource und meistern die komplexe B2B Customer Journey mit Souveränität.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen B2B-Retargeting und Remarketing?
Technisch gesehen sind die Begriffe oft austauschbar. Historisch wird „Remarketing“ oft im Kontext von Google Ads (z.B. für E-Mail-Listen) verwendet, während „Retargeting“ sich auf das pixelbasierte Tracking von Website-Besuchern auf Plattformen wie LinkedIn oder Facebook bezieht. Im Kern verfolgen beide das gleiche Ziel.
Ab wie vielen Website-Besuchern lohnt sich eine Retargeting-Kampagne?
Die meisten Plattformen wie LinkedIn erfordern eine Mindestgröße der Zielgruppe von 300 erfassten Nutzern, bevor Anzeigen ausgespielt werden. Aus meiner Sicht wird eine Kampagne jedoch erst ab 1.000 bis 2.000 monatlichen Besuchern wirklich schlagkräftig, um aussagekräftige Segmente bilden zu können.
Welches Budget sollte ich für B2B-Retargeting einplanen?
Das Budget ist stark von Ihrer Branche und Zielgruppengröße abhängig. Ein guter Startpunkt für Agenturen oder Freelancer sind oft 300 bis 500 Euro pro Monat, um erste Daten zu sammeln. Wichtiger als die absolute Höhe ist die Effizienz, die Sie durch eine hohe Relevanz und gute Segmentierung erreichen.
Wie messe ich den Erfolg meiner B2B-Retargeting-Kampagnen?
Der Erfolg wird nicht nur an direkten Conversions gemessen. Achten Sie auf Kennzahlen wie den Cost per Lead (CPL), die View-Through-Conversions (Nutzer, die die Anzeige sehen und später konvertieren) und das Engagement mit Ihren Inhalten. Diese Metriken zeigen den Beitrag der Kampagne zum gesamten Sales Funnel.